Das war sie nun also: meine erste re:publica. Drei Tage voller neuer Eindrücke, Bekanntschaften und Erkenntnisse. Ein ganz persönlicher Rückblick.

Ein Appell an die „Netzgemeinde“

Eines der Highlights der re:publica war sicher Sascha Lobos Rede zur Lage der Nation. Ich mag ja schräge Vergleiche, deshalb gefiel mir sein Einstieg in den Vortrag. Zusammenfassen kann man es in etwa so: Eure Eltern spenden für den Erhalt von Bekassinen, während Ihr zuschaut, wie die NSA und andere Geheimdienste weiter fleißig unsere Daten scannen, ohne dass unsere Regierung etwas tut. Sein Appell ging daher klar in eine Richtung: TUT ETWAS!
Obwohl mir solche „Zeigefinger“-Reden ja immer etwas sauer aufstoßen, muss ich sagen: Seine Nachricht kam klar rüber. Und blieb im Gedächtnis.

Meine Facebookseite? Die macht mein 12-jähriger Neffe

Eine Veranstaltung, die offenbar bei vielen sehr gut ankam, hinterließ bei mir einen etwas sauren Nachgeschmack. Konkret ging es um den Vortrag eines 12-jährigen Jungen, der eindrucksvoll aufzeigte, wie er ganz ohne Berührungsängste für seine Verwandtschaft Facebookseiten erstellt. Sehr eindrucksvoll zeigte er: Hemmungen „diese Dinge“ einfach zu machen, hat er keine. Und seine Art war wirklich sehr erfrischend.
Dennoch: Ein wenig zeigte sich hier das Vorurteil bestätigt: „Das kann doch jedes Kind, das mit dem Social Media.“ Dass alle Seiten allerdings kein Impressum hatten und es auch mit dem Urheberrecht der Bilder nicht so genau genommen wurde (Was würde George Lukas wohl sagen?), zeigt jedoch: Ja, erstmal schon. Aber die Crux liegt im Detail. Nämlich in den rechtlichen Details.

Alltagstaugliche Konzepte für Digital Media Women

Besonders gespannt war ich auf die „Lightning Talks“ der Digital Media Women, denn ich hatte schon viel über sie gelesen und viel von ihnen gehört. Vermutlich hätte ich einfach die Ankündigung der Veranstaltung genauer lesen sollen, dann wäre die Enttäuschung vielleicht etwas weniger groß gewesen. Dort stand nämlich, dass es um „außergewöhnliche Projekte inspirierender Digitalfrauen“. Allerdings fand ich die Projekte für mich persönlich eher wenig inspirierend. Woran das liegt? Hm, gute Frage. Vielleicht daran, dass ich mir etwas mehr Bodenständigkeit gewünscht hätte. Denn schnell wurde klar: Nahezu alle aufgezeigten Projekte sind für „Normalo-Digital-Media-Women“ eher wenig geeignet. Bloggend von X nach Y zu reisen ist zwar zugegebenermaßen eine tolle Erfolgsgeschichte, da man sich aber zwischen „Hobby Kind“ und anderen Hobbies (z. B. die Rallye Paris-Dakar zu bestreiten – O-Ton) entscheiden muss, fällt das Konzept wohl aus.

Ich will hier nicht in die normale Jammerlethargie der „armen Frauen“ einsteigen. Aber was mich wirklich geflasht hätte, wären „ganz normale“ Frauen gewesen, die es mithilfe des Internets geschafft hätten. Vielleicht ist das ja eine Idee für das nächste Jahr.

Und sonst? Was bleibt also?

Was bleibt, sind die Erinnerungen an 3 wunderbare Tage, an denen ich viele Menschen getroffen habe, die ich bisher nur digital kannte. Wie sich herausstellte, sind digitale und analoge Identitäten gar nicht so unterschiedlich, wie es gemeinhin immer angenommen wird. Und sehr, sehr viele inspirierende Vorträge, zum Beispiel das „Programmieren für Nullcheckerbunnies“ oder Wibke Ladwigs „Ein blindes Huhn ist kein Ponyhof“.  Nächstes Jahr werde ich wohl wiederkommen.