Erfolg oder Misserfolg einer Tierarztpraxis hängen nicht immer mit der medizinisch-fachlichen Kompetenz der Praxisinhaber zusammen. Stattdessen spielen ein paar wichtige Faktoren eine bedeutende Rolle. Sie entscheiden darüber, ob die tierärztliche Praxis erfolgreich ist oder nicht. Welche Faktoren das sind – und welche dieser Faktoren einfach und weniger einfach zu kontrollieren sind  erfahren Sie in diesem Beitrag.

Diese Erfolgsfaktoren können Tierärzte nur schlecht kontrollieren

1. Wie lange besteht die Tierarztpraxis?

Es ist kein Geheimnis, dass Tierarztpraxen, die bereits lange an einem Standort bestehen, erfolgreicher sind als Neugründungen. Denn in der Regel ist der Kundenstamm bereits gefestigt und dadurch das Einkommen meist höher (und voraussichtlich auch der Gewinn).

2. Welchen Standort hat die Tierarztpraxis?

Wussten Sie, dass die Nähe einer Praxis zum eigenen Wohnort oder Stadtteil für viele Patientenbesitzer einer DER ausschlaggebenden Punkte für die erstmalige Wahl der Tierärztin oder des Tierarztes ist? Standortvorteile sind z. B. eine hohe Bevölkerungsdichte, eine gute Sichtbarkeit der Praxis (z. B. an einer viel befahrenden Straße) und ein einfacher Zugang (z. B. Parkplätze vor der Tür, ggf. Barrierefreiheit).

3. Wie hoch in der Konkurrenzdruck?

Klar, der Konkurrenzdruck ist einer der Faktoren, die darüber entscheiden, ob eine ausreichende Anzahl an Patienten in die Praxis kommt. Ein Indikator dafür: das Verhältnis von Haustieren zur Anzahl der Tierarztpraxen.

Wie sieht die Konkurrenzsituation unter den Tierärzten in Deutschland aus?

Laut dem Statistikportal statista gab es in Deutschland im Jahr 2012 (eine aktuellere Statistik lag mir nicht vor)

  • 12,3 Mio. Katzen
  • 7,4 Mio. Hunde
  • 7,6 Mio. “Kleintiere” (womit vermutlich die Heimtiere gemeint sind)
  • 3,7 Mio. Ziervögel

Lassen wir die Heimtiere und Vögel einmal außer Acht, macht das insgesamt mind. 19,7 Mio. Hunde und Katzen.

 

Statistik: Anzahl der Haustiere in deutschen Haushalten nach Tierarten in den Jahren 2000 bis 2012 (in Millionen) | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei
Statista

Laut Statistik der Bundestierärztekammer aus dem Jahr 2012  gab es gleichzeitig

  • ca. 10113 Tierarztpraxen und
  • ca. 294 Tierkliniken.

Das sind insgesamt also 10407 Dienstleister, die Tiermedizin anbieten.

Das Verhältnis von Hunden und Katzen zu tierärztlichen Praxen bzw. Kliniken liegt also bei rund 1900 Haustieren je Praxis oder Klinik. Verglichen z. B.  mit der Situation in Spanien ist das gar nicht so schlecht.

Was ist die Essenz dieses kleinen Rechenbeispiels?

Nun, es liegt auf der Hand, dass es somit eher empfiehlt, eine Tierarztpraxis in einer Region zu gründen, in der das Verhältnis von Haustieren zu tierärztlichen Praxen oder Kliniken höher ist.

4. Wird die Praxis von einer Tierärztin oder einem Tierarzt geführt?

Ja, es ist leider wahr. Auch vom Geschlecht des Tierarztes hängt es ab, wie profitabel die Tierarztpraxis ist. Die Gründe sind sicher vielfältig und nicht so einfach auf den Punkt zu bringen, aber die Augen sollte man vor dieser Tatsache nicht verschließen. Studien aus den USA haben eindeutig gezeigt, dass der Umsatz von Tierärztinnen geringer ist als der von Tierärzten. Und dieses Ergebnis bleibt auch dann bestehen, wenn man die Daten um weitere Faktoren wie Standort, Öffnungszeiten etc. bereinigt.

Diese Erfolgsfaktoren können Sie als Tierarzt gut kontrollieren

1. Wie gut ist Ihr Praxismanagement?

Praxismanagement ist einer der essenziellen Einflussfaktoren für die erfolgreiche Tierarztpraxis. Was genau eigentlich gutes Praxismanagement ausmacht, würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Nachgewiesenermaßen sind aber vor allem die Tierarztpraxen erfolgreich, die sich mit dem Thema Praxismanagement (und Praxismarketing) beschäftigen – ganz gleich ob es sich um Personalmanagement, Datenmanagement, Finanzmanagement, Marketing oder allgemeine Administration handelt.

2. Wie gut ist Ihr betriebswirtschaftliches Wissen als Tierärztin oder Tierarzt?

Und zu guter Letzt: Betriebswirtschaft wird uns Tierärzten im Studium noch immer nicht beigebracht bekommen. Umso wichtiger ist es, sich als Tierarztpraxisinhaberin oder -inhaber mit dem Thema zu beschäftigen –, wenn die Praxis erfolgreich sein soll.

Der Schritt vom Tierarzt zum Praxisinhaber ist ein sehr wichtiger, und nur wer verinnerlicht, dass er oder sie ab sofort neben der klinischen Arbeit eine Menge anderer Aufgaben zu bewältigen hat, kann den Schritt erfolgreich gehen.