Marke hier, Marke dort. Ohne Marke geht heute nichts mehr – so scheint es. Auch im Zusammenhang mit Tierarztpraxen taucht der Begriff “Branding” immer häufiger auf. Meist schauen mich die Tierärzte angestrengt an: “Muss das jetzt auch noch sein? Ich bin doch nur Tierarzt.” Warum ich der Meinung bin, dass keine Tierarztpraxis darauf verzichten sollte, eine Marke zu werden, erläutere ich in diesem Beitrag.

Was ist eigentlich eine Marke?

Jeder kennt Marken wie Coca-Cola oder IKEA. Bei Konsumprodukten kommen wir um sie nicht mehr herum, es fallen uns gleich bestimmte Logos, Melodien oder Slogans ein. Wer kennt ihn nicht, den Coca-Cola-Weihnachtmann oder den Slogan “Wohnst Du noch, oder lebst Du schon”? Und ob wir es wollen oder nicht: Marken beeinflussen unsere Kaufentscheidung. Im Zusammenhang mit einer Tierarztpraxis erscheint der Begriff jedoch zunächst eher fremd. Daher schauen wir uns zuerst an, was eigentlich eine Marke ist:

Eine Marke ist die Idee, die der Markt von Ihrer Praxis hat. Sie ist mehr als ein Logo oder ein Name – es ist die Art und Weise, wie Ihre Kunden Ihre Praxis wahrnehmen.

Der Begriff “Markt” erscheint in diesem Zusammenhang erst einmal ungewöhnlich. Darunter ist jedoch nicht anderes zu verstehen als Ihr Bestandskunden, Ihre potenziellen Neukunden und alle anderen, die Ihre Dienstleistung in Anspruch nehmen.

Warum eine Tierarztpraxis eine starke Marke benötigt

Eigentlich liegt es auf der Hand: Mit Ihrer Marke können Sie das transportieren, was Ihre Kunden von Ihrer Praxis erwarten können. Ein Vorteil dabei: Eine Marke hilft Ihnen, sich von Ihrer Konkurrenz abzuheben – vorausgesetzt sie ist einzigartig. Dazu ein Beispiel: Viele Tierärzte haben heute ein Logo. Fast immer kommt darin eine Pfote vor – oder gar das “klassische Tierarztzeichen” (roter Kreis mit “V” und Schlange). Zwar hat dies für Passanten auf der Straße einen Wiedererkennungswert (“Aha, hier ist ein Tierarzt.”), aber damit schaffen Sie es kaum, die Menschen von der Andersartigkeit Ihrer Praxis zu überzeugen. Warum sollte sich Hundebesitzer Meier für Ihre Praxis entscheiden, wo doch alle Tierärzte im Ort die gleiche Nachricht transportieren: Wir lieben Tiere! Wir sind kompetent! Wir können Ultraschall!

Die heutige Konkurrenzsituation unter den Tierärzten erfordert es, sich abzuheben, sich zu zeigen, etwas über sich und seine Philosophie preiszugeben. Kurzum: Was macht Sie als Praxis einzigartig? Das ist neu und führt – meiner Erfahrung nach gerade bei alteingesessenen Praxen – zu Widerstand. Ohne das, wird es jedoch nicht möglich sein, sich von der Masse abzuheben, einzigartig zu sein.

Wie entsteht eine Marke?

Das klingt alles leichter gesagt als getan, ist im Grunde aber mit ein paar einfachen Frage zu beantworten:

  • Wie stellen Sie sich Ihren idealen Kunden vor?
  • Welche Dienstleistungen fragt dieser ideale Kunde an?

Wichtig ist dabei, Ihren Kunden im Fokus zu haben. Wenn ich mir die vielen Websites der Tierärzteschaft anschaue, erscheint es mir eher so, als wären sie für die Tierärzte in der Nachbarschaft geschrieben. Da wird eine Vielzahl an Leistungen beschreiben – von Echokardiografie bis hin zu Patellaluxation-OPs.

Aber ist das wirklich das, was Kunden wollen? Ich denke nein. Tierbesitzer wollen einen Tierarzt, dem sie vertrauen können. Der ihnen zuhört, und bei dem sie das Gefühl haben, dass er die richtige Entscheidung für ihr Tier trifft. Wenn das auf eine Echokardiografie hinausläuft – prima. Aber deshalb binden sich Kunden nicht an eine Praxis. Viel wichtiger ist es also, als Marke zu transportieren, was Sie und Ihre Praxis als Unternehmen (ja richtig: Unternehmen!) ausmacht. Der Rest ergibt sich von allein.

Ein Beispiel aus der Praxis

Mit diesen einfachen Fragen können Sie eine Marke bilden. Ist Ihr idealer Kunde beispielsweise die Katzenbesitzerin Frau Schneider? Ihre Katze ist für sie ein Familienmitglied, für das sie nur die beste Therapie möchte. Ihre Marke kann damit sein, dass Ihre Praxis alles tut, um Katzen und ihren Besitzer den Besuch beim Tierarzt so angenehm wie möglich zu gestalten. Das kann mit einer fachlichen Spezialisierung auf Katzen einhergehen, muss es aber nicht (damit wären wir wieder bei der Kompetenz, auf die es nicht nur ankommt). Es könnte auch bedeuten, dass Ihr Wartezimmer für Katzen optimiert ist, Hunde ein separates Zimmer haben (oder vielleicht sogar gar nicht behandelt werden) und so weiter, und so weiter. Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Damit machen Sie sich einzigartig. Ihre Kunden werden es Ihnen danken und Ihnen treu bleiben. Die angenehme Folge: Ihre Dienstleistungen werden damit auch einzigartig –und damit weniger preissensibel.